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Schanze

Die (Polakken-)Schanze soll sich zwischen der Wegegabelung Reinfeld/Lokfeld auf der östlichen Seite der Nordfurt befunden haben. Der Bereich ist inzwischen planiert worden, soll aber noch Ende des 20. Jahrhunderts per Pferd als Abstieg zur Trave benutzbar gewesen sein. Auf der Verkoppelungskarte von 1789 zeigt ein von Abhängen umgebenes "Quadrat" den wahrscheinlichen Schanzenbereich. Der in der mündlichen Überlieferung erwähnte Ort bezieht sich wahrscheinlich auf den Flurnamen "Schanz" direkt nebenan. Die von mir erst als Wegerinnen angesprochenen terassenartigen Abstufungen hängen wahrscheinlich mit der Bauweise zusammen.

 

Kann die Polacken-Schanze im folgenden Zusammenhang erbaut worden sein?

Im Herbst 1626 begaben sich der Statthalter und Kriegskommissar Gerd Rantzau und der Landrat Georg von Ahlefeldt zur Erkun-digung der geplanten Vertei-digungslinie in den gottorfischen Grenzämtern, um Vorschläge über Anzahl und Orte der anzulegenden Fortifikationen zu erstellen. Ihr Vorschlag sah sieben größere und elf kleinere Schanzen vor - erstere mit 200-300 Mann Besatzung, letztere à 50 Mann. In Tremsbüttel, Trittau, Tonndorf und Reinbek sollte jeweils ein Kompanie einquartiert werden, in Oldesloe dazu 1000 Mann. Die Schätzungen beliefen sich auf 3.300 bis 5.000 Soldaten.
Die Schanzarbeiten verrichteten Arbeitskommandos der Untertanen aus den Grenzämtern sowie anderen gottorfischen Ämtern und Landschaften, auch 300 Bauern aus den plönischen Ämtern Ahrensbök, Reinfeld und Rethwisch.

Bis auf wenige Ausnahmen scheinen die Schanzen entweder umgangen oder überrannt worden zu sein. Offensichtlich waren also militärisch wenig sinnvoll. Möglicherweise ist die Polackenschanze deshalb relativ unbekannt...[20]

Lübeck hatte bereits Ende des 16. Jahrhunderts mit der Modernisierung seiner Verteidigungsanlagen begonnen, die alten Wälle erhöht und mit großen, spitzwinklig vorspringenden Bastionen versehen. [27]

Wann genau in dem Jahrhundert der Kriege zwischen 1625 und 1720 die Schanze aufgeworfen wurde, muß vorerst offen bleiben, zu militärischer Bedeutung scheint sie jedenfalls nicht gelangt zu sein. Ihr Name deutet auf den Nordischen Krieg 1658-1660.

 


Ausschnitt VK-Karte 1789

 

Dreimal wurden zwischen 1618 und 1648 im Dreißigjährigen Krieg Lauenburg und Stormarn von Truppen durchzogen... zwei Jahre blieben die Truppen in Oldesloe und Umgebung... [29]


 

Wegerelikte nördlich der Schanze

Beidseitig eines Geländespornes ziehen sich wahrscheinlich frühmittelalterliche Naturwege zur Hochebene längs

Die Schanze hat überraschend große Ausmaße, so daß wir sie beim ersten Mal übersahen. Der Wallfuß ist ansatzweise rechts neben Udo zu erkennen. Ein breiter Weg führt, vom Ochsenweg aus Richtung Lokfeld kommend, am Fuß der Schanze längs bis zur Nordfurt. Diesen breiten und wahrscheinlich in der Neuzeit benutze Fahrweg galt es, im militärisch zu sichern - wahrscheinlich im Nordischen Krieg des Jahres 1700. Inwieweit die 7 (!) Krüge in Klein-Barnitz mit einem hohen Transportaufkommen über diesen Weg zu tun haben, muß noch geklärt werden.

Mögliche Funktion der Schanze im Jahre 1700

Der schwerste von allen Kriegen dieses Zeitraumes war der Große Nordische Krieg, in dem gleichfalls Schweden zusammen mit dem ihm durch nahe verwandtschaftliche Beziehungen verbundenen Herrscherhause zu Schleswig-Holstein-Gottorf im Mittelpunkt stand. 
Um dem von den Dänen bedrängten gottorfischen Gebiet in Stormarn zu Hilfe zu kommen, überschritten die Schweden und Braunschweig-Lüneburger am 29. Mai 1700 die Elbe am Zollenspieker und bei Boizenburg, warfen die Dänen zurück und stießen in östlicher Richtung vor bis nahe an die Tore Lübecks. Die Truppen führte Herzog  Georg  Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg.  

Reinfeld, Wesenberg (auch hier gibt es an der Furt einen Schanzenberg!), Hamberge und Moisling wurden besetzt. Hier jedoch trafen sie auf einen unerwarteten Widerstand der Landbevölkerung. Davon kündet folgendes Schreiben vom 8. Juli 1700,  gerichtet An  die v.  Wicken  (Wickede)  zu  Moislingen : Von Gottes Gnaden Georg Wilhelm, Hertzog zu Braunschweig und Lüneburg.
Liebe Besondere! Als man mit der alliirten Armee anhero zu rücken gemüßiget worden und wir vernehmen, daß dieser ends an verschiedenen Orten die Bauren sich zusammenrottiret haben und hin und wieder schaden thun sollen, dahero dann resolviret werden müssen, umb solchem Übell zu steuren, alle Bauren, bey denen man einig Gewehr finden wird, niederzumachen und die Dörfer, worin sie sich aufhalten, anstecken zu lassen. Es wäre denn, daß ihre Nachbarn (!) diejenigen, so sich mit Gewehr betreten lassen, selbst anmelden, welchenfalls ihre Häuser billig verschonet werden. So haben wir nicht unterlassen wollen, Euch davon zu benachrichtigen, damit Ihr bey den Eurigen solche Anstalt verfüget und selbige warnet, sich kein Nachteil auf den Hals zu ziehen. Wir verbleiben Euch mit Gnaden gewogen. Geben Oldesloh, den 8. July 1700. Georg Wilhelm.

[Aus der "Kastofer Geschichte" von Guido Weinberger]