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Die Furten

Der Komplex "Südfurt" ist wahrscheinlich in den Zeitraum 1230 - 1350 zu datieren, in welchem die Umstrukturierung der Herrschaftsverhältnisse zwischen lokalem Adel und gräflicher Herrschaft sowie aufstrebendem Einfluß der Städte Lübeck und Hamburg ihren Niederschlag findet.
 
Die Schanze an der  "Nordfurt" wird um 1700 in den Kämpfen um die Landesherrschaft entstanden sein, was auf eine zumindest regionale Bedeutung des Weges zu dieser Zeit deutet.  
 
Wahrscheinlich wurde diese Streckenführung schon im 12. Jahrhundert benutzt.
 
Um 1825 werden folgende Furten oder Fähren erwähnt:
 
" Auf der südlichen Gränze des Amts gegen Rethwisch fließt die Trave unweit Lockfeld und Grosswesenberg. Bey dem erstgenannten Dorfe ist eine Fähre für Fußgänger....
...ueber die Trave, welche besonders nördlich von Meddewade und östlich von Benstaven von niedrigen Wiesengründen umgeben ist, führen zwey Fähren, die eine bey Benstaven, eine zweite bey Kl. Wesenberg, bey Semstorf ist im Frühjahr die Trave so seicht, daß sie sich durchwaten läßt."
 
1856 findet sich in der Topographie:
 
" ..kleinere [Fähren] für Fußgänger....bei Reeke. - Brückenpässe sind ... bei Oldesloe, Barnitz, Moisling und Lübeck und Furthen sind bei ... Reeke [35]
 
 
Furten, Fähren, Brücken
 
Die modernen Brückenquerungen haben alle entweder eine Furt oder eine Fähre als Vorgänger, werden sich folglich auf die gleichen Verkehrswege beziehen. Anstelle der heutigen Fußgängerbrücke in Klein-Barnitz gab es vorher eine Holzbrücke.
Obgleich Lokfeld schon jahrhundertelang über [Fußgänger-] Fähren verfügte, ersetzte diese erst 1850 eine Lastfähre über die Trave, welche wiederum 1885 durch eine Brücke abgelöst wurde. [36]
Die feste Travebrücke zwischen Groß- und Klein-Wesenberg enstand 1897. [37]
Auch die feste Brücke bei Benstaben löste erst 1862 die seit 1463 belegte Fähre ab. [39] Eine Fährbrücke scheint es hier schon 1303 gegeben zu haben.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts sind dann unter preußischer Verwaltung alle lokalen Brücken fest in das Wegenetz integriert.
 

Die Travefurt bei Klein Barnitz (Reinhold Beranek)

1. Etwa 1000 Meter nordwestlich von Kl. Barnitz mündet die früher sicherlich wasserreiche Heilsau in die Trave. Bekanntlich ergeben sich nach dem Zusammenfließen zweier Wasserläufe oft günstige Plätze für eine Furt. Dieses kann auch hier angenommen werden.
2. Oberhalb und beim Ort Kl. Barnitz ist im westlichen Uferbereich eine breite Überschwemmungszone erkennbar. Noch deutlich sichtbar ist der ehemalige Uferrand, der von der jetzt ausgebaggerten Wasserrinne etwa 100 Meter entfernt ist. In diesem Bereich konnte sich das Wasser gut ausbreiten; die Wassertiefe war entsprechend gering und hier war eine Überquerung mit Fuhrwerken usw. gut möglich.
3. Östlich von Kl. Barnitz überquert heute ein Fußweg die Trave mittels einer Brücke. Am gegenüberliegenden Hang hat sich eine kräftige Erosionsrinne gebildet, in deren Sohle heute noch bei Regenperioden Wasser abfließt. Der Fußweg geht nahe daran relativ steil bergan. Dagegen ist am anderen Rinnenrand ein breiter, leicht ausschweifender und mäßig ansteigender Weg vorhanden. Heute ist hier Weideland; doch gelegentliches Befahren mit motorisierten landwirtschaftlichen Fahrzeugen ist möglich und entsprechende Fahrspuren sind sichtbar. Hier konnten also auch früher Fuhrwerke zur anschließenden Hochebene gelangen.
4. Von der beschriebenen Fundstelle 200 Meter flußabwärts befinden sich die Reste der vermutlichen Burganlage Hartenburg [4] Sie wurde durch Sandabbau zerstört; doch sind noch einige Wallreste vorhanden. Eine zweite Befestigung lag 400 Meter nördlich der Hartenburg. Sie trägt die Bezeichnung Schanze, wie auch das umliegende Flurstück. Auch diese als flache Wallanlage beschriebene Befestigung wurde wohl zu Anfang dieses Jahrhunderts geschleift. Von den beiden Wehranlagen auf hochgelegenen Geländepunkten konnte der Traveübergang eingesehen und der ostwärts weiterführende Weg militärisch kontrolliert werden.
5. Im Bereich der Schanzenkoppel und der Hartenburg sind bei der Traveregulierung 1950 mehrfach mittelalterliche Waffen gefunden worden: 2 Schwerter, eine Lanzenspitze, ein Messer mit Kupfereinlage und ein mittelalterliches Gefäß. Bei Baggerarbeiten gleichfalls 1950 etwa 1,5 Kilometer unterhalb der Autobahnbrücke wurden gefunden: 2 eiserne Lanzenspitzen, ein Eisenmesser, sowie zahlreiche Tierknochen. Frühgeschichtliche Keramik und spätslawische Gurtfurchenware fanden sich westlich der Trave etwas unterhalb der Autobahnbrücke, wie auch weitere spätslawische Tongefäßscherben im Bereich der heutigen Autobahntrasse [4]. Der Versuch die Waffenfunde noch näher zu datieren, steht noch aus. Funde von den beiden Befestigungen Hartenburg und Schanze liegen bisher noch nicht vor.
6. Beim slawischen Festungsbau kennt man als Befestigungstyp die Brama, einen mit Schanze und Tor befestigten Platz. Die Brama wurde errichtet an wichtigen Wegestellen, insbesondere an Flußübergängen, und diente als Sperre bzw. befestigter Durchlass an den Grenzen territorialer Einheiten. Diese konnten von lokaler oder auch überregionaler Bedeutung sein. Meistens befand sich in der Nähe der befestigten Wegesperre zusätzlich noch eine Burg. In Altmecklenburg konnte man an 34 Stellen eine Brama identifizieren, wobei alle, bis auf eine an einem Gebirgspaß, an Flußübergängen lagen.
Zur Lokalisierung von Sperranlagen dieser Art ist eine Untersuchung der Orts- und Flurnamen nützlich, die oft einen ersten Hinweis liefert. Gegebenenfalls können auch schriftliche Quellen, sowie topographische und archäologische Merkmale den Befund erhärten. So konnten bei der erwähnten Untersuchung in Altmecklenburg die heutigen Namen aus dem slawischen Wort Brama abgeleitet werden. Es steht für "Schanze, Tor". Diese Bedeutungen, wie auch "Schutz, Wehr", sind ebenfalls in dem verwandten Brana enthalten. Durch Beifügung von - ica als Suffix kann daraus Branica gebildet werden. Dieses bezeichnet dann noch präziser einen "Ort mit einer Schanze" usw. Mit der im Slawischen vorkommenden Drehung von Vokal und Konsonant, z.B. Grad - Gard für die Bezeichnung einer Burg, ist die Wandlung von Branica in Barnica durchaus im Bereich der üblichen Sprachentwicklung. Barnica war also der Name des slawischen Dorfes, das an der durch zwei Befestigungen geschützten Travefurt lag. Es war auch namensgebend bei der deutschen Gründung von Groß Barnitz. Wie bei den sogenannten Doppeldörfern aus der Kolonisationszeit üblich, erhielt auch hier die ursprüngliche slawische Siedlung im Namen den Zusatz "Klein", wurde also Klein Barnitz genannt. Die deutsche Neusiedlung Groß Barnitz entstand 1,5 Kilometer weiter flußabwärts. Beide Dörfer behielten ihre Ortslagen und Namen bis heute bei.
Bisherige Ableitungen des Orts- und auch des Flußnamens Barnitz aus dem slawischen "Bara" = Sumpf. Dies ist bei Kl. Barnitz, das auf einer sandigen Hochfläche liegt, unbefriedigend.
7. Aus den historischen Quellen ist bekannt, daß der Travefluß die Grenze zwischen den beiden obodritischen Teilstämmen, den Wagriern im Norden und den Polaben im Süden, war. Da die Stämme nicht immer friedlich miteinander verkehrten, könnte die befestigte Furt bei Kl. Barnitz schon hierbei eine militärische Aufgabe erfüllt haben. Ab dem Jahre 809/810 existierte der "limes Saxoniae" als Grenze zwischen den sächsisch/fränkischen und den slawischen Gebieten. Sie lag 14 km südwestlich von der beschriebenen Travefurt beim Ort Barkhorst. Auch der westliche Rand der slawischen Ortsnamengrenze kann hier lokalisiert werden. Ferner ist bekannt, daß in spätslawischer Zeit der Limes öfter, und zwar von beiden Seiten, beim Siedlungsgeschehen überschritten wurde. Vorwiegend dürfte die Befestigung der Travefurt also eine Sicherungsmaßnahme gegen die sächsisch/fränkischen Kräfte an einer wohl gut frequentierten Handelsstraße Hamburg-Lübeck gewesen sein. [5]

Aus der Archäologie

Lokfeld, Fundstelle 9: Nicht in der Übersichtskarte eingetragen. Koordinaten: Rechts 4401720; hoch 5964960. H. J. Killmann fand 1930 beim Baden in der Nähe einer alten Furt im Schlamm steckend ein Eisenschwert mit Knauf. Lge 1,30 m. Priv. Bes. Nach H. J. Killmann wurde von Frau Petersen in der Nähe ein weiteres Eisenschwert gefunden. Verbleib unbekannt.
Im Bereich der Schanzenkoppel und der Hartenburg sind bei der Traveregulierung 1950 mehrfach mittelalterliche Waffen gefunden worden. Nach Archiv W. Sonder ein mittelalterliches Gefäß, 2 Schwerter, eine Lanzenspitze, ein Messer mir Kupfereinlage auf dem Rücken. Aus Slg. Sonder verschollen.
Klein-Barnitz, Lit.:a) Eiserne Lanzenspitze, flaches Blatt mit etwa rautenförmigem Grundriß und Querschnitt, lange, im Querschnitt achtkantige Tülle, an der Mündung mit zwei gegenständig angebrachten Löchern versehen. Lge 25,1; gr Br des Blattes 2,5, der Tülle 2,9 cm. b) Eisenmesser mit geradem Rücken, trianguläre Klinge an leicht gebogener Schneide und Rücken gegen kräftige Griffangel abgesetzt. Lge 30,9, davon Griffangel 8,6; gr Br der Klinge 2,3 cm. K.S. 19671. Gefunden 1950 von Schichtmeister Lohse, Neumünster, bei Traveregulierung im Bereich von km 11, etwa 1,2 km unterhalb der Autobahnbrücke südlich Reinfeld. Nach Lohse befanden sich im ausgestreuten Baggergut weiterhin zahlreiche Tierknochen und eine eiserne Lanzenspitze, die der Tiefbaufirma Sienknecht, Neumünster, übergeben ist. Tierknochen sind auch bei Baggerarbeiten 1955 beobachtet.

Die Vergleichswerte der Spurbreiten des Wegefächers am Kneeden
- Spurbreite 5,5 m -> Neuzeit
- Spurbreite bis 5m -> Spätmittelalter/Neuzeit
- Spurbreite 2,5-3m -> Früh- und Hochmittelalter

deuten für die Nordfurt, wie am Kneeden auf einen Naturweg für 2-rädrige Karren in "direkter" , steiler Wegeführung. Dieses Indiz weißt auf ein höheres Alter der Nordfurt denn das der Südfurt hin! [zum Online-Artikel von Herrn Beranek]

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