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Bad Oldesloe DB 24


DB 24 (LA 59)

Burganlage 59. Mittelalterliche befestigte Hofanlage auf ausgedehnter Geländekuppe in Niederungsgebiet südlich vom Gut Rethwischhof, Westteil der Anlage umfaßt ein rechteckigeds Plateau,DM etwa 30m O-W und 25 m N-S; nach S und O noch steile Böschung von etwa 3 m Höhendifferenz erhalten, auf Plateau heute noch fließende Quelle. Der Westteil der Anlage ist durch einen teilweise erhaltenen breiten Graben von größerem Ostteil der Geländekuppe getrennt; darauf ist ein U-förmiges Stück einer Wallanlage erhalten, die eine Fläche von etwa 80x30m umfaßt. Höhendifferenz der Walltrasse imS gegen Niederung etwa 4, gegen Innenfläche der Befestigungsanlage etwa 1m; Verlauf der Wallzüge im N nicht mehr zu bestimmen. - Nach E.W.Bötel berichtete ein Gutsarbeiter, daß bei Erdarbeiten in der Niederung nördlich der Befestigungsanlage mehrfach "Reste eines Bohlenweges" angeschnitten wurden. (Hingst, S. 398)
Das heutige Amtshaus wurde neben dem Schloß erbaut. Ob die dort verbauten Sandsteine aus dem ehemaligen Schloß sind, wird bei einer der nächsten Wohnungsrenovierungen zu klären versucht.

Rethwisch Schloßskizze

Das 17. Jahrhundert brachte keine so ausgedehnte Bautätigkeit der schleswig-holstinischen Herzöge, wenn auch vor allem in Gottorf die Bautradition nicht abriß. Eine bemerkenswerte Ausnahmestellung auf holsteinischem Boden hat offenbar Schloß Rethwisch eingenommen; erbaut 1699 im heutigen Rethwischfeld (3 km südöstlich von Oldesloe), wo aber nicht das geringste mehr erhalten ist. Der Bauherr Herzog Joachim Ernst II. von Holstein-Rethwisch (1637-1700) Enkel des Erbauers von Reinfeld, war nicht mehr eigentlicher Landesherr; er lebte als Katholik meistens in Brüssel und Madrid und übte in Rethwisch mehr gutsherrliche Rechte aus. Sein Schloß war auch ein typisches Beispiel jener spätbarocken Schloßbaukunst, wie sie an den westeuropäischen Fürstenhöfen üblich war. Der Plöner Hofprediger Peter Hansen (Nachricht von den Holstein-Plönischen Landen [1759] 95) las über dem Portal 1759 noch die Inschrift: VGGJEZNHZSH 1699 (wohl aufzulösen: Von Gottes Gnaden Joachim Ernst zu Norburg, Herzog zu Schleswig-Holstein). Nur ein Jahr konnte sich der Bauherr des Schlosses freuen; 1729 fiel es nach dem Tode seines Sohnes an die Plöner Linie, um d1729 diente es als Münzstätte und mußte 1774 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Im Jahre 1761 hatte der Landbaumeister Joh. Gottfried Rosenberg eine Beschreibung und drei Grundrisse geliefert, die die einzige Quelle für das frühere Aussehen des Schlosses darstellen.
Schloß Rethwisch war ebenfalls von Wasser umgeben und vierflügelig; dabei viel ausgedehnter (Fronten etwa 54x41m) als Reinfeld, besaß aber über dem Erdgeschoß nur noch ein Stockwerk. Nach Osten und Westeb lagen die tieferen Hauptflügel, nach außen durch Mittelrisalite mit Pilastern aus Bremer Sandstein und abschließenden Giebeln geschmückt. Die übrigen Seiten des Innenhofes begrenzten schmale Flügel mit Durchfahrten in der Mittelachse. Ueber der nördlichen Hauptdurchfahrt saß ein 34 m hoher Turm, der eine Galerie mit Balustrade hatte. Das Hauptportal an der Hofseite des Ostflügels war durch ein Wappen bekrönt; der Besucher gelangte zunächst in das große Vestibül, an das sich links die Treppe und rechts hinter zwei Vorräumen die zweigeschossige Hauskapelle anschloß.
Interessant ist noch eine Bemerkung von Rosenberg über den nördlichen Eingangsflügel: "Das Dach auf dieser Seite ist an dem Mansarden-Gesims linker Hand ziemlich eingebogen und scheinet aus einer unvorsichtigen Bau-Art herzurühren". Demnach war Schloß Rethwisch mit dem Baujahr 1699 offenbar der erste Bau, der die französische Dachform der Mansarden in Schleswig-Holstein einführte. [Chronik Rethwisch, S. 35]

 

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