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Interview mit Claus Möller


Im Stormarner Dorfmuseum

Herr Möller, bitte sagen Sie uns etwas zu Ihrer Person - in welchen Zusammenhang stehen Sie zur AG und zur Vor- und Frühgeschichte in Stormarn?

Mit der Vor- und Frühgeschichte von Stormarn fühle ich mich in zweifacher Weise eng verbunden. Zum einen gehöre ich zu den Gründungsmitgliedern der AG (1973) und zum anderen bin ich seit 1979 in Stormarn als Vertrauensmann des Landesamtes eingesetzt.
Im Ahrensburger Tunneltal und am Gotingkliff auf der Insel Föhr habe ich seit 1968 steinzeitliche Artefakte gesammelt, alle Funde sorgfältig dokumentiert und dem Landesamt für Vor- und Frühgeschichte gemeldet.
Am 23. November 1979 bin ich vom Landesamt zum Vertrauensmann für den Bereich des Ahrensburger Tunneltales ernannt worden. Als Herr Fritz Hasenclever, der Vertrauensmann für den übrigen Bereich Stormarns war, 1989 wegen eines Schlaganfalls aufhören mußte, wurde mir als sein Vertreter - zusätzlich zum Tunneltal - auch dieser Bereich übertragen, bis Herr Siebenhaar am 02.01.1997 zum Vertrauensmann ernannt wurde die Nachfolge von Herrn Hasenclever antrat.

Warum gibt es die AG - und wer hat sie, wann, "gegründet"?

Der Initiator für die Gründung der meisten Arbeitsgemeinschaften für Vor- und Frühgeschichte im Lande S.-H. war sicher Herr Dr. Wolfgang Heiligendorff vom Landesamt für Vor- und Frühgeschichte. Seine Absicht war es, die vielen Sammler durch Fundmeldungen an das Landesamt zu binden und so eine mögliche „Raubgräberei“ einzudämmen. Die Arbeitsgemeinschaften sollten jeweils auf Landkreise oder vorgeschichtliche Schwerpunksbereiche bezogen werden, wobei als Leiter bzw. Obmann jeder AG der hier zuständige Vertrauensmann vorgesehen war.
Mit Schreiben vom 3. Aug. 1972 teilt Herr Dr. Heiligendorf vom Landesamt für Vor- und Frühgeschichte mir mit, daß „ … unser Vertrauensmann Herr Dr. Gernot Tromnau, Bad Oldesloe, beabsichtigt, eine Arbeitsgemeinschaft für Vor- und Frühgeschichte zu gründen, in der alle Fachinteressierten aus dem Kreis Stormarn zusammengeführt werden“. Auf Einladung von Herrn Dr. Tromnau nahm ich am 08.September 1973 an dem ersten Treffen der AG-Stormarn teil, das bei Herrn Wulff Janus, Pölitz, Herrenhof – im Beisein der Herren Dr. W. Heiligendorff und Dr. Hingst – stattfand. Herr Janus war, ebenso wie Herr Dr. Tromnau, Vertrauensmann des Landesamtes. Dr. G. Tromnau war bis 1977 Leiter bzw. Obmann der AG (danach Museumsdirektor in Duisburg). Ihm folgte als Obmann, sowie auch als Vertrauensmann des Landesamtes, Herr Fritz Hasenclever, der 1989 wegen eines Schlaganfalls aufhören mußte. Seit 1989 ist Herr Werner Siebenhaar Obmann der AG und seit 1997 auch Vertrauensmann des Landesamtes.

Die generelle Zielsetzung der Arbeitsgemeinschaften in Schleswig-Holstein richtete sich im allgemeinen auf folgende Schwerpunkte:
- Abbau evtl. vorhandener „Schwellenängste“, und der unbegründeten Befürchtung vieler Sammler, die gemeldeten Fundstücke könnten ihnen vom Landesamt abgenommen werden.
- Eine Erhöhung der Zahl der Fundmeldungen.
- Begutachtung von Fundstücken, Unterstützung bei der Abfassung von Fundmeldungen.
- Vermittlung von Fachkenntnissen.
- Abgrenzung von Sammelbereichen und Organisation von regelmäßigen Kontrollgängen in bestimmten Flurbereichen.
- Unterbindung eigenmächtiger Grabungstätigkeit (Raubgräberei).
- Organisation von regelmäßigen Kontrollen der unter Denkmalschutz stehenden Objekte.
- Regelmäßige Zusammenkünfte mit Vorträgen zu Themen der Vorgeschichte.
- Informationen über interessante Fachvorträge in der Region.

Was gibt es über Dr.Alfred Rust aus Ihrer persönlichen Beziehung Interessantes zu berichten?

Dr. Alfred Rust hat bis kurz vor seinem Tode (1983) häufig an den Treffen der AG teilgenommen, was für uns Jünger(e) natürlich stets als „Motivationsschub“ wirkte.

Wie gestaltete und gestaltet sich die Zusammenarbeit mit offiziellen Stellen?

Das Landesamt lädt jährlich Fachinteressierte, die dort durch Fundmeldungen und andere Aktivitäten im Bereich der Vorgeschichte bekannt sind, zu einer umfangreichen Informationsveranstaltung des LVA-Kreises ein. Hierbei stehen die Mitarbeiter des Landesamtes den Besuchern mit Fachvorträgen und auch für Einzelgespräche zur Verfügung. Die Verleihung der „Goldenen Schaufel“, mit der jeweils einige der besonders verdienstvollen Helfer durch das Landesamt geehrt werden, ist eine Attraktion dieser Veranstaltungen.

Gibt es Spektakuläres zu berichten?

Die Arbeitsgemeinschaft konnte in den ersten Jahren - zur Unterstützung des Landesamtes und in enger Zusammenarbeit mit dem Amt - einige Notgrabungen durchführen. (Notfälle, wie Gefährdung von Urnengräbern und anderen Fundplätzen durch Kiesabbau, Trassenbau oder andere Bodenbewegungen) Die Erlaubnis, war an die Bedingung geknüpft, daß diese Notgrabungen von Mitgliedern der AG unter der Leitung eines erfahrenen Fachmannes erfolgte. Dies war gewährleistet, solange die AG – Stormarn von Herrn Dr. Gernot Tromnau geleitet wurde. Ein gutes Beispiel dafür ist die sehr umfangreiche Notgrabung von Klein Wesenberg, die Mitte der 70ger Jahre von der AG – Stormarn durchgeführt worden ist. Hier konnten am Rande des Kiesabbaus im Bereich eines bereits angeschnittenen eisenzeitlichen Urnenfriedhofs noch ca. 320 Urnen Beisetzungen dokumentiert werden. Viele der Urnen waren restaurationsfähig und mit Beigaben ausgestattet.
Daneben hat es noch einige kleinere Grabungen gegeben, bis Dr. Tromnau 1977 Stormarn verließ und der AG somit kein ausgewiesener Fachmann mehr zur Verfügung stand.
Als Herrn Fritz Hasenclever in den 80ger Jahren bei Hahnheide, im Randbereich des Sachsenwaldes, eine bemerkenswerte, wohl als sakral zu deutende Steinsetzung entdeckte, konnte das Landesamt sich aus Zeitmangel dieser Sache nicht annehmen. Die AG durfte hier lediglich den lockeren Humus abtragen, also die Steine oberflächlich freigelegen und dokumentieren. Eine Grabung wurde nicht gestattet, da die Fachkraft fehlte. Letzte Klarheit über Struktur, Unterbau und Alter der Steinsetzung war somit nicht zu gewinnen.

Wie sieht die Routine aus?

Diese Frage, lieber Herr Langmann, dürften Sie selbst auch aus eigenem Erleben beantworten können.
Was war Ihr schönstes Erlebnis in und mit der AG?

Hier sind einige größere Exkursionen und landesweite AG-Treffen zu nennen, die zweifellos herausragende Ereignisse im Geschehen der AG-Tätigkeit darstellen.Aus dem Gedächtnis einige Beispiele:
1978 fand das Jahrestreffen aller Arbeitsgemeinschaften mit mehr als 100 Teilnehmern aus Schleswig-Holstein in Ahrensburg statt. Hauptattraktionen waren natürlich Dr. Alfred Rust und das Tunneltal, Gastgeber war die AG-Stormarn. Im Mai 1985 veranstaltete Fritz Hasenclever eine zweitägige Exkursion durch das mittlere Elbe / Weser Dreieck, in deren Verlauf ca. 12 interessante Anlaufpunkte besucht wurden. Im Mai 1990 fand wieder ein Jahrestreffen aller Arbeitsgemeinschaften aus Schleswig-Holstein mit etwa 100 Teilnehmern in Stormarn statt. Hauptanlaufpunkte waren das Stormarnsche Dorfmuseum in Hoisdorf und Neu Schönningstedt mit dem Oher Wanderweg. Sehr beeindruckend waren auch einige Exkursionen, die uns nach Jütland, zu einigen Dänischen Inseln und nach Mecklenburg führten.

Wer ist heute dabei und was ist aktuell in Planung?
Werner Siebenhaar wäre hierfür der geeignete Ansprechpartner

Herr Möller, wir danken Ihnen herzlich für dieses Gespräch.